Autor Thema: Den Reichtum verteilen und nicht die Armut  (Gelesen 988 mal)

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Den Reichtum verteilen und nicht die Armut
« am: 29. Mai. 2010 - 11:12:23 »
Den Reichtum verteilen und nicht die Armut

Die ÖGB-Diskussion "Fair teilen" brachte neben Vorschläge zu einem finazierbaren Sozialstaat auch interessante Details zutage: Für 290.000 Beamte zahlen wir mehr Pension als für 1,9 Millionen ASVG-Pensionisten.

Foto © Fotalia / Eisenhans

"Nie waren wir so reich wie heute. 20 Prozent der Menschen verbrauchen 80 Prozent der Ressourcen. Und trotzdem müssen wir wachsen. Das ist absurd", provozierte Walther Schütz vom Verein "Bündnis eine Welt" bei der ÖGB-Podiumsdiskussion "Fair teilen!" in der Alpen Adria Mediathek Villach. "Wir müssen umdenken lernen", wandte sich auch Industriellenvereinigungspräsident Othmar Petschnig gegen das schrankenlose Akkumulieren und forderte eine Bankensteuer, begrenztes Einkommen für Bankmanager und eine Finanztransaktionssteuer, für die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam auf europäischer Ebene stark machen müssten. Um teure Frühpensionierungen einzusparen, sollten die Betriebe interessante Arbeitsplätze für ältere Arbeitnehmer schaffen. In diesen Punkten herrschte Einigkeit mit dem leitenden ÖGB-Sekretaär Bernhard Achitz und Neo-Landesrätin Beate Prettner, die sich mehr Frauen in öffentlichen Funktionen wünscht, um Wirtschaftskrisen vorzubeugen. "Frauen gehen verantwortlicher mit Geld um."
"Große Vermögem anzapfen"

Unterschiedliche Auffassungen in Punkto Vermögenssteuer, die laut Achitz nur 1,4 Prozent des Steueraufkommens ausmacht, während der europäische Durchschnitt bei fünf Prozent liege. "Wir müssen die großen Vermögen anzapfen. Mit diesen Einnahmen könnten wir die Lohnkosten senken", sprach sich Achitz im Gegensatz zu Petschnig auch für Gruppenbesteuerung und Wertschöpfungsabgabe aus. "Wir müssen den Reichtum verteilen und nicht die Armut". In Österreich dürfe nicht so gespart werden wie in Griechenland, es müsse andere Varianten geben, die den Sozialstaat nicht ausdünnen, postulierte Achitz, der den Steuerfreibetrag für Kinderbetreuung lieber auf Kinderbetreuungseinrichtungen umverteilen will.
Pensionsumverteilung: Beamte zu teuer

Während Achitz die Stiftungssteuer auf KEST-Niveau anheben will, plädiert Petschnig für Pensionsumverteilung: "Für 290.000 Beamte zahlen wir mehr Pension als für 1,9 Millionen ASVG-Pensionisten." Der "heilige freie Markt" müsse hinterfragt werden, forderte Schütz. Denn nur in einer solidarischen Welt sei "ein gutes Leben für alle" möglich.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/wirtschaft/2363067/den-reichtum-verteilen-nicht-armut.story
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Re: Den Reichtum verteilen und nicht die Armut
« Antwort #1 am: 29. Mai. 2010 - 11:15:57 »
Steuerzahler üben scharfe Kritik an Pensionszahlungen für Ex-Landesminister
veröffentlicht 28.05.2010 07:00
Der Steuerzahlerbund kritisiert die hohen Pensionszahlungen für ehemalige Landesminister. Wer fünf Jahre im Kabinett der NRW-Regierung saß, erhält als Dankeschön ab dem 60. Geburtstag monatlich 4047 Euro Rente. "Das sind Luxuspensionen", empört sich Heiner Cloesges vom Steuerzahlerbund NRW in einem Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe.

Cloesges fordert von der neuen Landesregierung eine Änderung dieser üppigen Versorgungsregelung. Das Mindeste sei eine Angleichung an die Bezahlung für Bundesminister a.D. Die erhalten 1.) deutlich weniger Rente als ihre NRW-Kollegen und haben 2.) auch erst später einen Anspruch darauf.

Ehemalige Bundesminister können frühestens nach dem 61. Geburtstag ihre Versorgungsbezüge beantragen. Mit 3317 Euro (nach einer Wahlperiode) liegen sie dann fast 20 Prozent unter der Vergütung für frühere NRW-Minister, die bereits ein Jahr früher ihre vollen (um 730 Euro höhere) Altersbezüge kassieren können. Ehemalige Bundesminister müssen im Gegensatz zu früheren NRW-Spitzenpolitikern wie normale Arbeitnehmer Abschläge hinnehmen, wenn sie - je nach Geburtsjahr - vor Ende des 65. oder 67. Lebensjahrs in den Genuss ihrer Rente kommen wollen. Maximal kann ein Bundesminister a.D., der eine Wahlperiode im Amt war, derzeit 4044 Euro Altersgeld erreichen. Für jedes Dienstjahr mehr gibt es einen Rentenzuschlag von 2,39 Prozent, in NRW beträgt er 2,4 Prozent.

Bereits im März hatte der nordrhein-westfälische Steuerzahlerbund alle zugleich mit einem Landtagsmandat ausgestattete amtierenden NRW-Minister angeschrieben. "Wir wollten wissen, ob sie zu einer Reform der Regelung für Ministerpensionen bereit sind", sagte Cloesges den Zeitungen der WAZ-Gruppe. "Doch kein Minister hat uns geantwortet."

Danach legte auch der Steuerzahlerbund das Thema zunächst auf Eis - bis die Zeitungen der WAZ-Mediengruppe gestern die auffällig hohen Altersbezüge für Landesminister thematisierte. "Die Finanzexperten aller Landesverbände werden bei ihrer nächsten Zusammenkunft das Thema auf die Tagesordnung setzen", kündigte der NRW-Steuerzahlerbund am Donnerstag eine bundesweite Initiative seines Verbandes gegen überzogene Ministerpensionen an.

Quelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung

http://www.extremnews.com/nachrichten/politik/67ba12fffa1cd0c
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Antw:Den Reichtum verteilen und nicht die Armut
« Antwort #2 am: 1. Jun. 2016 - 18:28:08 »
 Armut - Notwendige Voraussetzung für Reichtum im Kapitalismus
Mowitz
Als der Genosse der Bosse, Basta Schröder, in einem einsamen Entscheidungsprozess beschloss, für seine S?PD mit seiner Jahrhundert-, für etliche seiner Bosse war die Agenda 2010 sogar eine Jahrtausendreform, den finalen Niedergang einzuläuten, glaubten die Neocons der Berliner Republik, Deutschland sei nun für das neue Jahrtausend gewappnet und der Rest Europas werde zwangsläufig im Rennen um die niedrigsten Löhne und Sozialleistungen hinterherhecheln müssen. So wurde Basta-Gerhard zum Erfüllungsgehilfen neokonservativer Globalisierungsfetischisten in Washington, die schon Jahre zuvor den Marsch in die Globalisierung anführten. Die Gewinne der deutschen Wirtschaft sprudelten im gleichen Takt, wie breite Schichten der arbeitenden Bevölkerung durch die Niedriglohnpolitik ärmer wurden. Es war jene Niedriglohnpolitik die sie an der Teilhabe der von ihnen miterarbeiteten Gewinne ausschloss. Aktienbesitzer nicht und Manager und Erben großer Vermögen auch nicht. Ganz im Gegenteil. Das ist die im Kapitalismus notwendige Symbiose zwischen arm und reich damit er überhaupt in der Lage ist, die Illusion zu vermitteln, der Kapitalismus sei die Ultima Ratio der menschlichen Gesellschaftsentwicklung.

    "Reicher Mann und armer Mann standen da und sah’n sich an. Und der arme sagte bleich, wär ich nicht arm, wärst du nicht reich." Bertolt Brecht

Dieser Zusammenhang ist auch kleinen und größeren Volkswirtschaftlern bekannt, hindert sie aber nicht daran eine immer größere Einkommensungleichheit zum Vorteil für die bereits Priviligierten zu propagieren. Und die Sozialdemokraten waren in Europa vorne mit dabei als es galt die Einkommensschere wieder ins Unendliche zu spreizen. Tony Blair britischer Labor Premier, stand den Neokonservativen seiner Vorgängerin Margaret Thatcher in keiner Schweinerei nach als sie Großbritannien gesellschaftspolitisch wieder in die Vergangenheit zurückführten. Das waren die politischen Vorbilder Basta Schröders, die er glaubte imitieren zu müssen, damit Deutschland nicht den Anschluss an den Neokonservatismus verliert. Das meinten er und andere wenn sie vom notwendigen "sich fit machen" für die nächste Dekade oder wenn sie richtig dick auftrugen für das kommende Millennium schwafelten. Tausend Jahre Hartz IV? Unvorstellbar! Da glaube ich eher, dass es mit dem Tausendjährigen Hartz IV Reich so geht wie mit dem Tausendjährigen Dritten Reich, das nur 12 Jahre währte, ehe ihm das Licht ausgeblasen wurde. Das wird sich wiederholen, wenn die Menschen wieder gelernt haben aufrecht zu gehen. Und sie werden es wieder lernen. War so sicher!

    "Wie aus einer von der Linke-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann am Dienstag vorgelegten Auswertung aktueller Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht, ist in der Bundesrepublik jede siebte Person unter 15 Jahren auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Die Zahl der betroffenen Mädchen und Jungen stieg von Ende 2014 bis Ende 2015 um 33.700 auf 1,54 Millione" junge Welt


Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

S?PD-Nahles plant derweil weitere Kürzungen für Alleinerziehende. Die Gruppe in Deutschland mit dem höchsten Armutsrisiko. 39 Prozent von ihnen sind auf Hartz IV angewiesen. Und die Hälfte der Kinder, denen Transferleistungen zustehen, leben in Familien mit nur einem Elternteil. Das ist auch Deutschland. Das arme Deutschland.

Bei dem Umbau des deutschen Sozialstaates zur Hartz IV Gesellschaft blieben Millionen auf der Strecke, was die anderen nicht wirklich störte. Kann man doch die enorme Umverteilung von unten nach oben mit Hilfe einer willfährigen Presse als Deutschlands "Reichtum" verkaufen. Der Sprachgebrauch "Deutschland gehöre zu den reichsten Ländern der Erde" sollte korrekterweise gegen "Deutschland" hat eine sehr reiche deutsche Oberklasse auf der einen Seite und ein verelendetes deutsches Prekariat auf der anderen Seite, ersatzlos ausgetauscht werden. Beides ist und gehört zu "Deutschland". Reichtum und Armut. Einwanderer und Eingeborene. Neonazis und Altnazis, sowie bornierte Altvordere die vorgeben für eine schweigende Nachbarschaft zu sprechen, die Jerome Boateng nicht als Nachbarn haben möchten.

Keine Hetze ist zu infam um sie nicht für seine persönlichen Interessen einzusetzen. Auch das ist Deutschland, eines der "reichsten" Länder der Erde. Weniger geistig als materiell.

    „Was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.“ Johann Wolfgang von Goethe

FH  http://principiis-obsta.blogspot.com.es/2016/06/armut-notwendige-voraussetzung-fur.html
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« Antwort #3 am: 16. Jun. 2016 - 10:58:11 »
Reich bleibt reich in Deutschland - Elitenforscher
© Flickr/ Gonzalo Malpartida

18:15 15.06.2016(aktualisiert 18:25 15.06.2016)
In Florenz sind die reichsten Familien die gleichen wie vor 600 Jahren - das wollen Wissenschaftler nun nachgewiesen haben. In Deutschland kann man von einer ähnlichen Situation ausgehen, sagt der Soziologe und Elitenforscher Professor Michael Hartmann von der TU Darmstadt.

„Gerade was die Wirtschaft angeht, haben wir in Deutschland einen Anteil von familienkontrollierten Unternehmen der höher ist, als in jedem anderen Industrieland“, erklärt Professor Hartmann.
Euro
© AFP 2016/ Julian Stratenschulte / dpa
Minusgeschäft bei Bundesanleihen: Wer Deutschland Geld leiht, zahlt drauf

„Wir haben in Deutschland unter den 100 größten  Unternehmen 48, die unter Familienkontrolle sind. Entweder komplett oder durch Sperrminoritäten. Das haben wir nirgendwo sonst, nicht in Italien, in Frankreich, in Großbritannien, auch nicht in den USA“, betont er in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke. „Das bedeutet natürlich, weil sich mit den großen Familien enormer Reichtum verbindet, dass in Deutschland diese Familienunternehmen dafür sorgen, dass wir an der Spitze der Gesellschaft eine sehr kleine Anzahl von sehr reichen Personen haben, häufig in der dritten, vierten, fünften oder sechsten Generation sind. Das Unternehmen Merck gibt es zum Beispiel seit dem 17. Jahrhundert, Haniel seit dem 18. Jahrhundert."

Der Experte erläutert, dass Deutschland, wenn man sich die 1000 reichsten Menschen der Welt anguckt, nach den USA und China an der dritten Stelle liegt:

„Wir haben in Deutschland 67 Milliardäre, die mindestens fünf Milliarden schwer sind, in Japan sind es 13, in Frankreich sind es 22, auch in Großbritannien nur 33. In keinem vergleichbaren Land gibt es so viele Milliardäre und das hat eben mit dieser spezifischen Familienstruktur zu tun — mit diesen Familienunternehmen vor allem in der Industrie, aber auch im Handel — die so eine lange Tradition haben."

Mehr zum Thema: Top 100 Marken der Wirtschaftswelt: Europa hat den Technologiezug verpasst

Auch um Namen und Beispiele ist der Soziologe nicht verlegen:
Das Volkswagenwerk Wolfsburg
© REUTERS/ Axel Schmidt
VW, Deutschland und die Diktatur - Ein Lehrstück über Beliebigkeit

"Gucken wir uns die drei großen deutschen Unternehmen in der Autoindustrie an. Daimler ist, mal abgesehen von einzelnen Großaktionären wie den Kataris, im Wesentlichen eine Streuung im Funk-Besitz, aber die beiden anderen großen Unternehmen — BMW und VW — sind familienkontrolliert. Bei BMW hat die Familie Quandt das Sagen. Das sind jetzt im Augenblick nur noch Frau Klatten und ihr Bruder. Die haben über 40 Prozent des Aktienkapitals von BMW. Das bedeutet, die haben in den letzten Jahren pro Jahr zwischen 650 und 800 Millionen Dividende kassiert — durch Quellensteuer und Ähnliches begünstigt.“

Das zweite Beispiel ist VW. Mehrheitlich im Besitz der Familien Porsche und Piëch. Die Familien sind nun deutlich größer, als dass bei den Quandt-Geschwistern der Fall ist, aber nichtsdestotrotz, auch da fallen ja vergleichbare Dividenden an, zumindest vor der VW-Krise. So könnten Sie jetzt die deutsche Wirtschaft durchgehen und Sie würden feststellen, in vielen Branchen gibt es solche Unternehmen. In der Chemie ist das Merck, im Handel ist das Aldi, Lidl, Otto. Sie haben das im Konsumgüterbereich, Sie haben das auch bei den Automobilzulieferern, bei Unternehmen wie Hella oder Benteler, die nicht so bekannt sind. Im Medienbereich ist das besonders konzentriert — Bertelsmann, Springer… Auf der regionalen Ebene gibt es kaum eine Zeitung, die sich nicht im Besitz einer großen Verlegerfamilie befindet. Da hat es enorme Konzentrationen gegeben. Das geht hin bis zu Zeitungen wie der Süddeutschen, die über die Südwestdeutsche Medienholding verquickt sind mit der Verlegerfamilie Schaub, die einen enormen Einfluss im südwestdeutschen Raum hat. Madsack im hannoverischen Raum, oder die Familie Funke über die WAZ im ganzen Bereich von Nordrhein-Westfalen. DuMont Schauberg in der Rheinschiene. So kann man das durchgehen und man findet jede Menge Familien die großen Einfluss auf wirtschaftliche und auch politische Entscheidungen haben."
Schuldenkrise in Griechenland
© REUTERS/ Alkis Konstantinidis
„Crash für deutsche Wirtschaft“ – Linkspolitiker Dehm geißelt „EU-Pinochet Schäuble“
             

Als Hauptgrund für diese Entwicklung in den letzten 20 Jahren, sieht Professor Hartmann die deutsche Steuerpolitik:

"Eine große Rolle spielt, wie die Erbschaftssteuer in einem Land geregelt ist, oder ob es Vermögenssteuern gibt oder nicht. Wenn man sich Deutschland da im internationalen Vergleich anguckt, ist die Belastung mit all solchen Steuern — Grundsteuer, Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer — in Deutschland viel geringer als in vergleichbaren Ländern wie Großbritannien, in den USA oder Frankreich. Das spielt natürlich bei Vermögen, oder bei der Vererbung von Vermögen eine entscheidende Rolle."   

„Unter Helmut Kohl war die Situation eindeutig besser“

In den 90er Jahren, unter Helmut Kohl, war die Situation, so Hartmann, eindeutig besser:
AfD
© Flickr/ Metropolico.org
Das Schweigen der AfD zur europäischen Binnenflucht

"Dass wir in Deutschland in den letzten 20 Jahren so gravierende Veränderungen haben, hat im Kern mit den politischen Entscheidungen zu tun. Alles, was mit Agenda 2010 zu tun hat, hat dazu geführt, dass wir unten inzwischen einen unteren Bereich haben, den es vor 20 Jahren so nicht gegeben hat. Was den oberen Bereich angeht, das sind alles steuerliche Entscheidungen. Die Erbschaftssteuer ist ja nur eins. Die Vermögenssteuer wurde Ende der 90er Jahre ausgesetzt. Der Spitzensteuersatz wurde gesenkt. Die Körperschaftssteuer auch. Diese ganzen Maßnahmen haben diese Konzentration bei hohen Einkommen und hohen Vermögen enorm begünstigt. Man kann die eins nach dem anderen wieder durchgehen und sagen, das müsste wieder geändert werden und so weiter. Wenn wir die steuerlichen Regelungen der Zeit Mitte der 90er unter Helmut Kohl hätten, hätten wir in Bezug auf die Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen schon enorm viel gewonnen. Unter Helmut Kohl kann nun niemand sagen, dass wir irgendwie radikal linke Verhältnisse oder ähnliches gehabt haben, sondern es waren schlicht und einfach andere steuerlichen Regelungen und in diese Richtung müssten wir meines Erachtens zurückkommen."
Weltwirtschaft
Jakub Krechowicz
Wirtschaftsranking: USA von Spitze vertrieben – Deutschland aus Top-10 abgestiegen

Der Eliteforscher erklärt, dass die Durchlässigkeit einer Gesellschaft natürlich entscheidend davon abhängt, wie der Reichtum in einer Gesellschaft verteilt ist:

„Als aktuelles Beispiel nehme ich mal das Erbschaftssteuerrecht für Familienbetriebe. Wenn man sich anguckt um welche Summen es da geht, das sind 2-stellige Milliardenbeträge pro Jahr. Die letzten Zahlen die es gibt sind für das Jahr 2014. Im Jahr 2014 hat es Erbschaften und Schenkungen von Betriebsvermögen im Umfang von 66 Milliarden Euro. Davon sind gut 90 Prozent steuerfrei weitergegeben worden. Das heißt, in dem Jahr war das bei normalen Steuersätzen ein entgangener Betrag von gut 16 Milliarden Euro. Wenn man sich die Diskussionen ansieht, ob das nun Flüchtlinge, Bildungssystem, was auch immer, das ist ein so großer Betrag. Ob der nun anfällt, oder ob der einfach an die Erben weiter verschenkt wird. Das macht für die Situation in einem Gemeinwesen einen großen Unterschied, weil schlicht und einfach die öffentliche Infrastruktur darunter leidet. Auch das Gefühl von Menschen, ob der Staat etwas für sie tut oder nicht, wird dadurch beeinflusst, was der Staat als Leistungen zur Verfügung stellt.“
Transparency International (TI)
© AFP 2016/ John MacDougal
TI-Experte: Einfluss der Wirtschaft an deutschen Hochschulen nimmt zu

„Das ist ja jetzt nicht das erste Jahr — und der Staat verzichtet freiwillig auf so viele Einnahmen, obwohl das Bundesverfassungsgericht beurteilt hat, sie müssen das endlich ändern“, fügte Prof. Hartmann hinzu. „Trotzdem geht das alles so zögerlich, und die Bemühungen die Veränderungen so gering wie möglich zu halten sind sehr stark, das hat auf Dauer für die öffentlichen Haushalte und damit vor allem für den ärmeren Teil der Bevölkerung gravierende Konsequenzen. Die Teilhabe an einer Gesellschaft für diejenigen, die zur unteren Hälfte oder gar zum unteren Drittel einer Gesellschaft gehören, ist im Wesentlichen davon abhängig, was es als öffentliche Leistungen gibt."

Weiterlesen: http://de.sputniknews.com/gesellschaft/20160615/310638084/reich-deutschland.html#ixzz4BjNuz42H
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Antw:Den Reichtum verteilen und nicht die Armut
« Antwort #4 am: 15. Jul. 2017 - 11:11:18 »
Aufstand der Unsichtbaren
Immer mehr Menschen wünschen sich "Luxus". Etwas, für das andere in Armut schuften müssen. Doch diese "Unsichtbaren" wehren sich.
von Werner Rügemer

Es begann mit Silermone N. Sie kommt aus Brasilien nach Düsseldorf. Sie fand Arbeit als Putzfrau im Luxushotel InterConti an Düsseldorfs Prachtstraße Königsallee. Angestellt wurde sie aber nicht beim Hotel, sondern beim Subunternehmen ZHS des Unternehmers Karly Zingsheim. Sie hatte einen Vertrag über täglich 6 Stunden zum Branchentarif von 9,55 Euro. Aber für das Putzen der Zimmer, die ihr vorgegeben waren, brauchte sie im Durchschnitt 8 Stunden. Bezahlt wurde sie dann während eines halben Jahres für nur täglich 4,8 Stunden, und dann wurden ihr noch täglich 3,57 Euro für Essen abgezogen – das sie gar nicht gegessen hatte, gar nicht essen konnte wegen der Hetze, in der sie putzen musste. Außerdem hatte sie im Vertrag eine Klausel unterschrieben, dass Ansprüche auf Lohn, Überstunden und Urlaubsgeld nach drei Monaten verfallen. Das wäre so weitergegangen, wenn sie nicht etwas gemacht hätte, was bisher niemand gemacht hatte: Sie klagte vor dem Arbeitsgericht die Nachzahlung des nicht ausgezahlten Lohnes ein. Sie bekam Recht, in der zweiten Instanz, nachdem Unternehmer Zingsheim in der ersten Instanz verloren hatte, aber in die Berufung gegangen war. Seitdem klagen mehrere Putzfrauen und Putzmänner nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Frankfurt/Main, Mönchengladbach und Dresden auf Nachzahlung. Es geht meist um mehrere tausend Euro. Die Kölner Aktion gegen Arbeitsunrecht organisiert diese Kampagne, begleitet die bisher Unsichtbaren bei Gericht und inszeniert öffentliche Events, zuletzt vor dem InterConti in Düsseldorf: Triathlon der Putzkräfte 1. Staub aufwirbeln und unter den Teppich kehren, 2. Teppiche ausklopfen, 3. Feucht durchwischen: Wer ist am schnellsten? Dabei wurde vor 40 Teilnehmern, vier Polizisten, einigen Hotelbeschäftigten und vorbeihuschenden Hotelgästen auch das Porträt der größten Hotelkette der Welt vorgestellt.
InterContinental Hotel Group (IHG) PLC

InterConti ist die größte Hotelkette der Erde, 5.100 Hotels in 100 Staaten, 770.000 Betten. Die meisten Hotels stehen in den USA, in China und im Nahen Osten, in Deutschland sind es 71. Sie wenden sich an unterschiedliche Zielgruppen: Zu den Besserbetuchten passen die Luxushotels vom Typ Crown Plaza, für die Mittelklasse mit eingeschränktem Service stehen die Holiday Inn Express Hotels bereit, dazu gibt es Spezialhotels wie „Family Time“, „Mixing Business with Pleasure“.

Der zentrale Geschäftssitz dieses globalen Konzerns in Denham bei London kommt mit nur knapp 8.000 Beschäftigten aus. Die Hotels werden fast alle nach dem Franchising-System betrieben: InterConti verpachtet die Hotels an Subunternehmer, die können bzw. müssen den Markennamen, das Vertriebssystem und andere Dienstleistungen des Konzerns nutzen und müssen Pacht bezahlen. Wie bei McDonalds und REWE werden die Pächter kräftig ausgepresst. Dafür müssen die Pächter wieder andere auspressen, eigene Angestellte und Subunternehmer. Dabei sprangen im letzten Jahrzehnt für InterConti Group 12,7 Milliarden Dollar an Gewinn heraus.
Ein verschwiegenes Gebilde

Und wem gehört dieser schöne globale Konzern? Es sind nur 127 Aktionäre. Die traditionellen globalen Konzerne wie Siemens, Deutsche Bank, Coca Cola haben hunderttausende Aktionäre. Aber InterConti ist wie andere neue Konzerne heute ein verschwiegenes Gebilde. Die wichtigsten Aktionäre, also Eigentümer sind auch wieder kleine moderne verschwiegene Finanzkonzerne. Die vier wichtigsten sind – und deren Namen habt Ihr wahrscheinlich noch nie gehört: FMR, Vulcan Value Partners, Jane Street Group, Arrowstreet Capital. Der größte Eigentümer ist also FMR: die Abkürzung bedeutet Fidelity Management and Research. Dieser Kapitalorganisator verwaltet über zweieinhalb Billionen Dollar Kapitaleigentum, also Billionen, nicht Milliarden, also ungefähr fünf mal mehr als der Bundeshaushalt des mächtigen deutschen Staates.

FMR hat seinen Sitz in Boston/USA und hat das Kapital in einer unbekannten Zahl von Unternehmen angelegt. Bekannt ist es nur bei großen Aktiengesellschaften, wo die FMR-Anteile so groß sind, dass sie nach Aktienrecht veröffentlicht werden müssen, also zum Beispiel bei InterConti. FMR ist aber auch zum Beispiel Miteigentümer von Facebook, Google, Apple, Amazon, Microsoft, also überall wo heute rund um die Erde asoziale Manager den Reichtum der Eigentümer mehren auch mithilfe möglichst vieler ausgepresster Subunternehmer, prekärer Arbeitsverhältnisse und ausgeforschter Kunden.

InterConti hat 2007 den Big Brother Award bekommen, wegen Ausspähung der Kunden: Pay-TV-Nutzung, Allergien, Getränke, Essen, Kontaktadressen, Kreditkartendaten. Den Preis für die prekären Arbeitsverhältnisse hat InterConti bisher noch nicht bekommen, das steht noch an.
Vertrauen in Trump

Das F beim Haupteigentümer heißt Fidelity und bedeutet „Treue“. FMR ist treu gegenüber seinen Geldgebern, die ihm ihr Geld zur möglichst schnellen Vermehrung anvertrauen. Die Geldgeber sind amerikanische und deutsche Unternehmerfamilien, reiche Erben, Scheichs und Oligarchen. Wie reich man dabei werden kann, zeigt Abigail Johnson, die Chefin von FMR: Sie ist besonders sich selbst treu. Sie steht auf der Forbes-Liste der größten Raffkes der Erde auf Platz 85 mit einem Privatvermögen von 15 Milliarden US-Dollar. Ein Teil davon kommt aus der Arbeit der Beschäftigten in den InterConti-Hotels.

Die FMR-Chefin Abigail Johnson liebt solche asozialen Brüder und Schwestern und Politiker wie Donald Trump. „America first“ und weltweite Ausbeutung sind kein Gegensatz. Auf der website von FMR heißt es: „Wir geben Trumps Wirtschaftsprogramm einen Vertrauensvorschuss.“
In Düsseldorfs Prachtstrasse

Wir stehen hier vor einem kleinen Teil des Reichtums von Abigail Johnson und vieler anderer unbekannter Millionäre und Milliardäre aus Boston, New York, Saudi-Arabien und vielleicht aus Düsseldorf selbst. Wir stehen also vor dem InterConti auf Düsseldorfs Prachtstrasse Königsallee. Es bietet Luxus und Lifestyle und „Wohnkultur auf höchstem Niveau“. Einziges Ziel, so heißt es gegenüber den Kunden: „Ihr Wohlbefinden“. Die 287 Zimmer und 34 Suiten kosten zwischen 209 und 479 Euro pro Nacht. Der Preis für die Präsidentensuite mit fast 200 Quadratmetern und Marmorbad steht nicht auf der website.

Wie es im Franchising-System oft vorkommt, gehen die ausgepressten Pächter häufig pleite. Das war hier bei diesem Hotel im Jahre 2011 der Fall. Die damaligen Pächter erfüllten die Gewinnerwartungen der damaligen Hotelkette Neue Dorint nicht. Neue Dorint kündigte den Pachtvertrag wegen „Schlechterfüllung der Verträge“. Dann einigte sich Neue Dorint mit InterConti über einen neuen Pachtvertrag.

Dafür gründete ein gewisser Jörg Hubert Schmitten eine neue Betriebsgesellschaft. Sie heißt „InterContinental Hotel Düsseldorf GmbH“. Für das Berliner InterConti-Hotel gründete Schmitten nochmal eine solche Betriebsgesellschaft. Sie heißt „InterContinental Hotel Berlin GmbH“. Für jedes Hotel wird eine eigene Betriebs-GmbH gegründet.

Zur Geschäftsführung gehören noch Tim Jahnel, Jean-Claude Simon und Alain Denis. Dazu gehört auch Raky Ahmed Abd El Azim, er ist Regional Director of Human Resources, Abteilung Europe der InterConti-Gruppe. Human Resources: Das ist die Wissenschaft, wie man die „menschliche Ressource“, die menschliche Arbeitskraft möglichst umfassend ausbeutet: Dazu gehört auch, wie man Schwächen, Sprachunkenntnisse, Angst, Unorganisiertheit und ethnische Unterschiede ausnutzt.
Die Ausbeutungskette aufbrechen!

Die neuen Pächter um Jörg Hubert Schmitten müssen ihren Pachtvertrag nun besser erfüllen als ihre Vorgänger, denen gekündigt worden war. Dazu gehört, dass die von InterConti ausgepressten Pächter wieder weiter nach unten treten und Subunternehmer beauftragen, die ihre Beschäftigten auspressen. Mithilfe von Subunternehmer-Ketten gehört auch gezielter Betrug zur Methode der Gewinnsteigerung.

Die „Wissenschaft“ der Human Resources wird auch hier inmitten der gelobten Düsseldorfer Luxusmeile offensichtlich intensiv betrieben. Das „Wohlbefinden für die Kunden“ und für die unbekannten Anleger wird erreicht durch die Ausbeutung derer, die man nicht sehen soll. Ausbeutung - besonders lautlos, nach außen hin. Der Unternehmer Karly Zingsheim ist mit seiner Firma ZHS GmbH auf Hotelreinigung spezialisiert. Er ist Subunternehmer zum Beispiel für das InterConti hier in der Königsallee. Er liefert vor allem ausländische Putzfrauen und Putzmänner. Dazu beauftragt er auch selbst wieder einen spezialisierten Subunternehmer namens MACOC: Der ist spezialisiert, Unsichtbare aus Bulgarien und Rumänien zu beschaffen.

Damit diese lautlose, heimliche, feige, auch gesetzwidrige Ausbeutung nicht so weitergeht – auch deshalb sind wir hier. Menschenwürde, Menschenrechte, Rechtsstaat: Das sind die Forderungen der Beschäftigten! Und das sollten auch die Forderungen der Kunden sein, und auch des Düsseldorfer Stadtrats und des Düsseldorfer Oberbürgermeisters und der Düsseldorfer Bürger! Und auch der vier Polizisten, die hier im Namen des Rechts etwas ratlos herumstehen! Hätten sie nicht eigentlich etwas Besseres zu tun?

https://www.rubikon.news/artikel/aufstand-der-unsichtbaren
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« Antwort #5 am: 19. Sep. 2017 - 11:09:22 »
Ferdinand Piëch: Hinter Gittern!
Abgeschottet, verbarrikadiert, hinter Mauern. Sie sind arm dran, diese Reichen.
von Jörg Becker

Nicht „hinter Gitter“, wohl aber „hinter Gittern“ wohnen zahlreiche Millionäre am Wörthersee in prunkvollen Jugendstilvillen. Abgeschottet, verbarrikadiert, hinter Mauern. Sie sind arm dran, diese Reichen.
Weiter: https://www.rubikon.news/artikel/ferdinand-piech-hinter-gittern
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« Antwort #6 am: 9. Nov. 2017 - 11:13:44 »
Ein Fünftel der Deutschen ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht
08. November 2017 Florian Rötzer
Nach dem Statistischen Bundesamt können 16 Millionen Menschen damit als gesellschaftlich abgehängt gelten

Die mittelstandsorientierten Jamaika-Parteien wird es kaum interessieren, was das Statistische Bundesamt über die Armut in Deutschland berichtet. Fast 20 Prozent der Deutschen, also ein Fünftel der Bevölkerung des reichen Landes, das seit langem von der Union sowie von der SPD und der FDP regiert wurde, sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.

Das sind etwa 16 Millionen Menschen, genauer 19,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Dass Deutschland damit unter EU-Durchschnitt mit 23,5 Prozent liegt, muss im boomenden Deutschland keinen Stolz bei der Regierung hervorrufen, weil im Gegensatz zu anderen Ländern die Kassen gut gefüllt wären, um die Ungleichheit abzubauen. Zwar ist gegenüber 2015 ein leichter Rückgang von 20 auf 19,7 Prozent zu verzeichnen, bei den Über-65-Jährigen stieg der Anteil aber von 17,2 auf 18,3 Prozent an. Auch bei den Unter-17-Jährigen stieg der Anteil von 18,5 auf 19,3 Prozent. Beides ist ein Warnsignal, dass grundsätzlich etwas falsch läuft.

Nach dem Statistischen Bundesamt gilt jemand als arm oder von sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn das Einkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt (16,5% oder 13,4 Millionen), der Haushalt von "erheblicher materieller Entbehrung" betroffen ist (3,7%) oder er/sie in einem "Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung" lebt (9,6 %). Der Hauptunterschied zwischen Deutschland und der EU besteht darin, dass in Deutschland mit 3,7 Prozent deutlich weniger von "erheblicher materieller Entbehrung" betroffen sind als im EU-Durchschnitt mit 7,5 Prozent.
Der Streit ist alt, ob eine Person, die über weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt, derzeit in Deutschland liegt die Schwelle für einen alleine lebenden Menschen bei 1.064 Euro im Monat, tatsächlich als arm gelten muss. Als erhebliche materielle Entbehrung gilt, wenn man die Rechnungen für Strom oder Miete nicht mehr bezahlen oder die Wohnung nicht "angemessen" heizen kann, aber auch, wenn man nicht das Geld für eine einwöchige Urlaubsreise besitzt, sich kein Auto, keinen Farbfernseher oder kein Telefon leisten kann. (Florian Rötzer)
https://www.heise.de/tp/features/Ein-Fuenftel-der-Deutschen-ist-von-Armut-oder-sozialer-Ausgrenzung-bedroht-3883953.html
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« Antwort #7 am: 3. Mär. 2018 - 11:07:35 »
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Antw:Den Reichtum verteilen und nicht die Armut
« Antwort #8 am: 5. Mai. 2018 - 22:20:28 »
Der andere Krieg

Der Krieg der Reichen gegen die Armen eskaliert.
https://neue-debatte.com/2018/03/26/der-andere-krieg/
"Vertrauen Sie denen, die nach der Wahrheit suchen, und mißtrauen Sie
denen, die sie gefunden haben."
(André Gide)

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Antw:Den Reichtum verteilen und nicht die Armut
« Antwort #9 am: 1. Jun. 2018 - 20:08:11 »
Die Eigentumsbestie

von Johann Most, New York, 1887

johann_john_most_anarchismus_anarchist_arbeiterbewegung_atheismus_ausbeutung_knechtschaft_gottespest_religionskritik_eigentum_gier_habgier_kritisches _netzwerk_buettelstaat.jpgDer Mensch ist unter den Raubtieren das schlimmste. Das ist ein Ausspruch, den heutzutage viele tun, der aber nur bedingungsweise richtig ist. Nicht der Mensch als solcher ist ein Raubtier, sondern nur der Mensch in Verbindung mit Reichtum.

Je reicher der Mensch ist desto stärker ist seine Gier nach weiterem Vermögen. Solch ein Untier, welches man Eigentumsbestie nennen kann, und das gegenwärtig die Welt beherrscht, die Menschheit unglücklich macht und mit dem Fortschreiten der sogenannten "Zivilisation" an Grausamkeit und Schlagkraft gewinnt, soll im Nachstehenden gekennzeichnet und der Ausrottung empfohlen werden.

Blickt Euch um! In jedem sogenannten "Kultur"-Lande gibt es unter je hundert Menschen etwa 95 mehr oder minder vollendete Habenichtse und ungefähr fünf Geldprotzen. Es ist nicht nötig, alle Schleichwege aufzusuchen, auf denen die Letzteren ihr Vermögen erworben haben. Der Umstand, dass sie Alles besitzen, während die Übrigen lediglich existieren, resp. vegetieren, lässt allein schon keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Wenigen auf Kosten der Vielen reich geworden sind.

Bald durch das direkte brutale Faustrecht, bald durch List, bald durch Betrug hat sich diese Rotte des Grund und Bodens und aller darauf befindlichen Güter bemächtigt. Vererbung und vielfacher Händewechsel haben diesem Raub einen "altehrwürdigen" Anstrich verliehen und dessen wahres Wesen verwischt; deshalb wird die Eigentumsbestie noch immer nicht als solche erkannt; sondern sogar mit heiliger Scheu respektiert.

Und doch sind Alle, welche nicht zu dieser Art gehören, deren Opfer. Jeder Sprössling eines Nichteigentümers (Armen) findet bei seinem Eintritt in die Welt jedes Fleckchen Erde besetzt. Es gibt keine Güter, die nicht einen "Herren" hätten. Ohne Arbeit entsteht aber nichts und um heutzutage arbeiten zu können, sind nicht nur Fähigkeit und Wille erforderlich, sondern auch Werkzeuge, Rohstoffe und Lebensmittel. Der Arme wendet sich daher notgedrungen an Jene, die alle diese Dinge in Hülle und Fülle besitzen.

Und siehe da, es wird ihm seitens der Reichen die Erlaubnis erteilt, weiter zu existieren. Dafür hat er sich aber sozusagen seiner Kraft und Geschicklichkeit zu entäußern. Diese verwenden fortan seine vermeintlichen Lebensretter für sich. Denn Letztere spannen ihn einfach ins Joch der Arbeit; sie zwingen ihn, bis zur äußersten Grenze körperlicher und geistiger Anstrengung neue Schätze zu erzeugen, nach denen er aber nicht seine Hände auszustrecken berechtigt ist. Würde er sich lange besinnen wollen, solch' einen ungleichen Handel abzuschließen, so belehrte ihn doch bald sein knurrender Magen, dass der Arme hierzu keine Zeit hat.

Und da viele Millionen ganz in der nämlichen Lage sich befinden, wie er, so setzt er sich obendrein der Gefahr aus, dass sich, während er sich besinnt, hundert Andere um seine Stelle bewerben, so dass er neuerdings in der Luft hängt. Furchtbar schwingt seine Peitsche der Hunger über dem Kopfe des Armen. Um zu leben, muss er sein eigenes Ich täglich und stündlich freiwillig verkaufen. Es waren entsetzliche Zeiten, als die herrschenden Klassen auf die Sklavenjagd gezogen waren und Jene, die in ihre Hände fielen, in Ketten schlugen und mit Gewalt zur Arbeit zwangen. Ungeheuerlich sah es aus in der Welt, als die christlichgermanischen Räuber ganze Länder stahlen, den Boden den Völkern unter ihren Füßen hinweg zogen und sie zum Frontdienst pressten.

Den Gipfel der Schmach aber hat erst die heutige "Ordnung" erzeugt: denn sie hat mehr als neun Zehntel der Menschheit um ihre Existenzbedingungen betrogen, in Abhängigkeit einer winzigen Minderheit versetzt und zur Selbsthingabe verdammt, gleichzeitig jedoch dieses Verhältnis dermaßen durch allerlei Formeln verhüllt, dass die Hörigen der Neuzeit - die Lohnsklaven ihre Rechtlosigkeit und Knechtschaft nur zum Teil erkennen und geneigt sind, sie dem Glücks-, resp. Unglücksfalle zuzuschreiben.

johann_john_most_anarchist_anarchismus_eigentumsbestie_atheismus_ausbeutung_knechtschaft_gottespest_lohnsklaven_kritisches_netzwerk_buettelstaat_prol etariat_kommunismus_habgier.jpgDiesen grässlichen Zustand zu verewigen, das ist das einzige Streben der "vornehmen" Welt. Unter sich sind zwar die Reichen nicht immer einig; im Gegenteil sucht Einer den Anderen durch Handelskniffe, Spekulantenlist und Konkurrenzmaximen zu übervorteilen; allein dem Proletariate gegenüber stehen sie als eine geschlossene feindliche Masse da. Ihr politisches Ideal ist daher – aller freisinnigen Redensarten ungeachtet - ein möglichst starker und ruppiger Büttelstaat.

Bettelt der Arme, der momentan außer Stande ist, sich an einen Ausbeuter zu verkaufen, oder den die Eigentumsbestie bereits zur Arbeitsunfähigkeit ausgeschunden hat, so sagt der satte Bourgeois, das sei Vagabundage, und er ruft nach Polizei; er verlangt Stockprügel und Zuchthäuser für den armen Teufel, der nicht zwischen Bergen von Lebensmitteln verhungern will [….]

[…..]So geht es dem Armen von der Wiege bis zum Grabe. Ob er produziert, ob er konsumiert; ob er existiert oder vegetiert; er ist stets umlagert von einer Schar von heißhungrigen Vampiren, die nach jedem Tropfen seines Blutes lechzen. Auf der anderen Seite stellt der Reiche nie sein Ausbeutungshandwerk ein, wenn er auch noch so wenig in der Lage ist, einen Grund für seine Habgier anzugeben. Wer eine Million hat, will 10 Millionen haben; wer deren 100 besitzt, geizt nach einer Milliarde usw. Zur Habgier gesellt sich Herrschsucht.

Das Besitztum ist eben nicht nur ein Mittel zu immer weiterer Bereicherung, sondern auch eine politische Macht. Unter dem jetzigen Kapital-System ist die Käuflichkeit fast ein allgemeines Laster. Es handelt sich gewöhnlich nur darum, den richtigen Preis anzusetzen, um Diejenigen zu kaufen, welche geeignet sein können, durch Sprechen oder Schweigen, durch Schrift oder Druck, durch Gewaltakte oder durch was immer der Eigentumsbestie zu dienen. Sie ist vermöge ihrer goldenen Diktate die wahre allmächtige Gottheit. […..]

Johann Most, New York, 1887

Dies sind natürlich nur Leseproben eines vor 131 Jahren geschriebenen Werkes. Volltext siehe unten angehängt. (PDF)

Quelle: Anarchosyndikalistische Flugschriftenreihe (>>LINK), Heft Nr. 46
______________________

Johann Most (geboren am 5. Februar 1846 in Augsburg, Königreich Bayern; gestorben am 17. März 1906 in Cincinnati), bekannt auch als John Most, war ein sozialistischer Redakteur, Agitator und Politiker der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), dann der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), bevor er sich schließlich zum Anarchismus bekannte. Most war ein Feuerkopf. In der deutschen Arbeiterbewegung der 1870er und 1880er Jahre gab es keinen Agitator, der ihm an Leidenschaft und Courage gleichgekommen wäre. Sein rastloses Leben begann mit einer bitteren Kindheit und endete in trüber Isolation.

Nach einer Buchbinderlehre und anschließenden Wanderjahren schloss sich Johann Most Ende der 1860er Jahre der sozialistischen Bewegung an. Anfang der 1870er Jahre war er Redakteur und Herausgeber sozialdemokratischer Zeitungen in Chemnitz, Mainz und Berlin. 1874 wurde er zum ersten Mal in den Reichstag gewählt. Zum behäbigen Funktionär war Johann Most jedoch nicht geschaffen. Seine politischen Ansichten und sein hitziges Temperament trugen ihm in seinem Leben immer wieder Verfolgungen ein. Die Immunität, die er als Abgeordneter genoss, half ihm da wenig. Auf eine Rede hin, die er zum Andenken an die Pariser Kommune hielt, wurde er 1874 wegen Majestätsbeleidigung und Gotteslästerung zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Sein Atheismus machte Most zum Buhmann der Öffentlichkeit, besonders seitdem er, ganz im Gegensatz zur Parteilinie, den Massenaustritt aus den Landeskirchen propagiert hatte.

Als im Oktober 1878 in Deutschland das Sozialistengesetz erlassen wurde, wurde Most aus Berlin ausgewiesen. Er musste Deutschland verlassen und es folgte ein lebenslanges Exil. Erst emigrierte er nach Frankreich, dann nach England und schließlich in die USA. In allen seinen Exilländern eckte er mit seiner revolutionären Propaganda bei der Obrigkeit an und handelte sich immer wieder neue Haftstrafen ein. Most entwickelte sich in der Emigration zum militanten Anarchisten und wurde einer seiner prominentesten deutschen Repräsentanten.

Most blieb bis Ende seines Lebens ein radikaler Atheist und hat diverse antireligiösen Pamphlete geschrieben. Die berühmteste seiner Schriften ist die 1883 in New York erschienene „Gottespest“, die seitdem in unzähligen Auflagen und Übersetzungen erschienen ist. In der „Gottestpest“ setzt sich Most mit der Religion im allgemeinen auseinander. Und er macht dies in dem für ihn so typischen derben humorvollen Stil.

Johann Most >> Übersicht seiner Werke und Verlinkungen zu Online-Texten >> weiter.

Fotos / Bildlizenz: Public Domain. Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. (gilt für beide Fotos). H.S.

   
AnhangGröße PDF Icon Johann Most - Die Eigentumsbestie (1887) - Der Mensch als Raubtier in Verbindung mit Reichtum


Das Eigentum als Geißel der Menschheit

Die Zeiten haben sich nicht geändert - nur die Methoden haben sich verfeinert und sind raffinierter geworden. Die Strategien der Volksverdummung und Ausbeutung (eigentlich ist das Wort ja aus dem heutigen Sprachschatz verdammt) werden von Heeren hoch bezahlter Marketingexperten und Psychologen ausgeheckt, so daß selbst sog. Intelligente (oder die, die sich dafür halten) auf die Manipulationsmasche hereinfallen. Über seine Zunft der Psychiater schrieb Erich Fromm einst (Jenseits der Illusionen):

"Indem sich die Psychologen der „richtigen Worte“ von Sokrates bis Freud bedienen, werden sie zu den Priestern der Industriegesellschaft, die die Aufgabe haben, der Industriegesellschaft zu ihren Zielen zu verhelfen, indem sie dem einzelnen helfen, zum völlig angepassten Organisationsmenschen zu werden.

... Unter seelischer Gesundheit versteht man oft nichts weiter als diese Anpassung oder – anders gesagt – einen seelischen Zustand, bei dem der einzelne auch nicht unglücklicher ist als die Allgemeinheit. Das wirkliche Problem, nämlich die Einsamkeit und Entfremdung des Menschen und das fehlende produktive Interesse am Leben, braucht bei dieser Art der Psychoanalyse nicht einmal berührt zu werden."

Mit "Organisationsmensch" meint Fromm den Menschen, der sich kritiklos den Erfordernissen der Wirtschaftsgesellschaft unterordnet und als Konsument seine Seele verkauft hat.

Damit mich niemand falsch versteht: Wenn ich vom Eigentum als Geißel der Menschheit rede, dann ist damit nicht Omas oder Vaters klein Häuschen mit Garten gemeint, das uns die bösen Sozialisten wegnehmen wollen. Ich meine das Eigentum, das über den Bedarf für ein Leben im normalen Wohlstand hinaus geht, das Egon W. Kreutzer das "aggressive Eigentum" nennt. Dieses Eigentum und nicht adäquates oder sog. leistungsloses Einkommen wie Zinseinnahmen im großen Stil wirkt sich immer zu Lasten der Allgemeinheit aus. Überproportionale Einkommen und Vermögenswerte sind nie nur Verdienst der eigenen Leistung sondern immer auch durch Übervorteilung von Abhängigen entstanden und daher ungerecht.

Man könnte meinen, daß die Menschheit sich seit den Zeiten, als es noch kein persönliches Eigentum an Grund und Boden gab und der Mensch sich ausschließlich durch die Arbeit seiner Hände oder dem Einsammeln der Früchte der Natur ernährte, rückentwickelt hat. Die sogenannte Zivilisation, die zwangsläufig mit mehr Entfremdung, Eigentum- und Kapitalbildung sowie Abhängigkeit verbunden war, ist  mit Gier, Neid, Gewalt und Krieg erkauft worden.

Wir können zwar das Rad der Geschichte nicht zurück drehen, aber die Regeln ändern und ein anderes humaneres Verständnis von Zivilisationsfortschritt entwickeln.

Peter A. Weber, Klotten
https://kritisches-netzwerk.de/forum/die-eigentumsbestie-der-mensch-ist-unter-den-raubtieren-das-schlimmste
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Antw:Den Reichtum verteilen und nicht die Armut
« Antwort #10 am: 13. Jun. 2018 - 20:14:43 »
Armut bedeutet stets Gewalt auf leisen Sohlen

Veröffentlicht am 13. Juni 2018 von hraban57    
        
Sozialstaaten am Ende – der Reichtum verteidigt seinen Stand

Noch können die Bedürftigen sich hierzulande einer sozialrassistischen Hartz-IV-Regelung erfreuen, die politische Gesetzgebung sieht keine Kürzungen auf Null vor. Es fragt sich nur, wie lange noch. Meinen Sie tatsächlich, der einmal angehäufte Reichtum wird ein Stückchen von seinem riesigen Kuchen abgeben wollen? Bisher wäre das eine einmalige Geste in der Geschichte der Menschheit. Das Gegenteil war stets der Fall, außer, es wurde den Privilegierten mit Gewalt ihr Hab und Gut enteignet zum Wohle des darbenden Volkes.

Im übrigen muß festgehalten werden: Armut ist eine Form der Gewalt. Und Armut entsteht immer infolge von Ausbeutung. Wer also die Armut fördert, muß auch mit einer gewissen Gegengewalt rechnen. Und das tun sie auch, die wirklich Reichen. Sie haben längst „aufgerüstet“, sich abgeschottet hinter Stacheldraht, Videokameras und Security. Die Frage, die sich stellt: Wie lange können sie diesen Krieg zwischen sich und der breiten Masse ernsthaft durchhalten? Ja, wir müssen dabei von einem Krieg sprechen, der stellvertretend weltweit stattfindet, nur nicht hier in der wohlbehüteten, westlichen Welt. Doch auch hier offenbaren sich immer deutlicher seine eigentlichen Folgen, die ganz viel mit Sozialabbau zu tun haben.

Vom Gleichgewicht der zu beruhigenden Bevölkerung

Solange das Volk nicht wirklich bemerkt, daß ihm das Fell über die Ohren gezogen wird, hält es still. Das war schon immer so. In guten Zeiten, wo jeder mehr oder weniger einen Arbeitsplatz hatte, soziale Absicherung halbwegs gegeben war, Frieden herrschte, da ließ es sich leben, während dennoch die ewig nimmersatten Gierigen bereits dabei waren, sich die Taschen so richtig vollzustopfen.

Das ging bisher stets eben nicht zu Lasten der Menschen hierzulande, sondern ganz einfach da draußen in einer Welt, die sich wie ein Selbstbedienungsladen für diejenigen präsentierte, die einfach nur noch zugreifen mußten. Klingt für Sie zu simpel? Doch, es ist keinesfalls schwierig, man muß nur skrupellos und unmoralisch genug sein, sich von Menschenrechten gänzlich verabschieden, eine rücksichtslose Vorgehensweise bis hin zu dem Inkaufnehmen von Menschenopfern praktizieren. Wer vertuscht all diese Verbrechen, um ja den Frieden zu bewahren?

Die Politik, die am ungerechtfertigten Gewinn beteiligte Wirtschaft, oftmals eine stillhaltende Medienlandschaft. Dabei muß man sich das Ganze als ein riesiges, letztlich undurchschaubares Netz der Seilschaften vorstellen, wobei selbst gutunterrichtete Insider ebenso nicht den vollen „Durchblick“ haben. Macht auch nichts, Hauptsache das weltweite Gleichgewicht gerät nicht aus den Fugen. Die Völker haben einfach stillzuhalten, staunend ob der Entwicklungen, sind sie ohnehin viel zu beschäftigt im Reigen der vielen Schauplätze der „Brot und Spiele“. Was im alten Rom prima funktionierte, erweist sich bis heute als nützlich.

Haben wir alle über unsere Verhältnisse gelebt?

Wenn wir mit ganz offenen Augen in die Welt schauen, dann können wir nur noch diese Frage bejahen. Doch ein schlechtes Gewissen uns jetzt einreden zu wollen, kann zynischer kaum daherkommen, wenn es ausgerechnet von denjenigen formuliert wird, die wesentlich beteiligt waren an diesem jahrzehntelangen, eigentlich jahrhundertelangen Prozeß: den Politikern. Die westliche Welt war von Beginn an auf Expansion, auf Raubbau aus, und das nur, um ihre eigenen Belange zu erreichen, per Gewalt und keineswegs behutsam oder gar mit entsprechender Weitsicht.

Rücksichtslos wurde alles zu Geld verwertet, was half, den eigenen Reichtum zu steigern. Wenn schon in der Presse über das Drama des deutschen Sozialstaates zu lesen ist, dann kommen da eine Menge dramatische Zukunftsszenarien auf uns zu. Denn eines sollte klar sein: In allen Krisen haben stets die Armen, die ganz unten angelangt sind, zuerst das Nachsehen. Darum wird der Sozialstaat aufgegeben, und zwar ziemlich schnell und eindeutig. Reichtum hofiert sich weiterhin, hat er doch seine Sicherheit, seine stetigen Begünstigungen.

Es liegt also nur an uns allen, die tatsächlichen Zusammenhänge zu begreifen und dann entsprechend sich zusammenzutun. In schweren Krisen zeigt sich ganz schnell die eigentliche Menschlichkeit, ob wir es gelernt haben, zu teilen, füreinander einzustehen und vor allem keine andere Staatsform zuzulassen als eine Demokratie. Wenn wir zugunsten des nimmersatten Reichtums sämtliche Erkenntnisse des Humanismus opfern, dann schaut es mitnichten gut aus für die Zukunft.

Lotar Martin Kamm

https://querdenkende.com/2018/06/13/armut-bedeutet-stets-gewalt-auf-leisen-sohlen/
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